Stadtgeburtstag 2009

Heimatverein Lüdinghausen


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Stadtgeburtstag 2009

Bericht aus „heißen“ Zeiten - Lüdinghauser Zeitung 14.12.2009

Lüdinghausen - Einen Blick in die Geschichte des mittelalterlichen Lüdinghausens warfen Dr. Ilona Tobüren-Bots und Stadtarchivarin Liane Schmitz im Rahmen des Festaktes zum Stadtgeburtstag im ehrwürdigen Kapitelsaal. Thema der interessanten Vorträge war „Patzlar - eine Burg wird wiederentdeckt“.
 
Reste eines Burgmannssitzes, die „Hengelenborg“, die zur Anlage der Burg Patzlar gehörte, wie auf einer Zeichnung von 1741 zu ersehen ist, waren bei Arbeiten am Steverrückzugsarm für Fische in Höhe des Hofes Jacobskötter im Frühjahr entdeckt worden. Mit zahlreichen Bildern von wertvollen Funden und der Ausgrabungsstätte hatte Dr. Ilona Tobüren-Bots ihren Vortrag ergänzt. Abschließende Ergebnisse konnten noch nicht vorgelegt werden, doch ist erwiesen, dass der freigelegte Brunnen um 1575 angelegt wurde und damit jünger ist als die hölzernen Pfähle, die wohl zu einer Brückenkonstruktion über die Gräfte gehörten, und das massive Mauerwerk. Dendrochronologische Untersuchungen anhand der Jahresringe auf den Pfählen haben ergeben, dass diese Pfähle, von denen einer im Kapitelsaal ausgestellt war, aus der Zeit um 1315 stammen. Gerade die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts war für die Region Lüdinghausen und ganz besonders für Burg Patzlar eine ausgesprochen „heiße“ Zeit, über die Stadtarchivarin Liane Schmitz berichtete. In dieser Periode nahmen mehr als 100 Familien am Machtspiel in Westfalen teil. Sie stellte zwei Herrscher vor, die für die Geschichte der Burg wichtig waren. Das waren Ludwig II. von Hessen, Fürstbischof in Münster, und sein Gegenspieler Graf von der Mark. Ludwig musste an allen Ecken und Enden seines Fürstbistums verteidigen und angreifen. Das kostete viel Geld, sodass er die Landesburg Patzlar seinem Konkurrenten Engelbert von der Mark verpfänden musste. Fast 40 Jahre blieb die Burg in Händen der Märker. Das Haus, das auf den gefundenen Pfählen gestanden hatte, muss also vom Grafen und nicht vom Bischof errichtet worden sein. An Hand eines Burgmodells erläuterte Liane Schmitz den Aufbau eines Wohnturmes, dessen untere Etagen aus Stein und in den oberen Etagen aus Fachwerk mit einer Flechtwerk-Lehmausfachung gebaut waren, sowie die Ausstattung der einzelnen Räume für den Hausherrn und seine Bediensteten. Zu einer Burg gehörten je nach Größe noch Nebengebäude wie Ställe, Soldatenhaus, Gebäude für Handwerker und für landwirtschaftliche Zwecke. Die bei den Ausgrabungen gefundenen Scherben gehörten zu einem Kugeltopf und einer Fettpfanne. 1361 gab der Graf die Burg an den Fürstbischof, der zu jener Zeit sein Bruder Adolf von Mark war, zurück. Mit dem nachfolgenden Fürstbischof gab es aber die nächste Fehde. Burg Patzlar würde verbrannt, später aber wieder aufgebaut. Mitte des 15. Jahrhunderts kam die Burg in die Hände der von Hake, eine Familie, die so viel Geld den Armen in Lüdinghausen und Seppenrade vermachte, dass später davon das noch heute erhaltene Hakehaus errichtet werden konnte. Ende des 18. Jahrhunderts war die Burg sehr verfallen und hatte die Funktion eines Bauernhofes. Der sogenannte Hof Groß Patzlar - später Thewes - wurde erbaut und die Burg abgetragen. Von den Burgmannssitzen ist lediglich noch Klein Platzar - später Jacobskötter - erhalten.

Der Heimatverein plant an der Ausgrabungsstelle eine Hinweistafel aufzustellen, damit sich Heimatfreunde und Touristen über ein weiteres Stück Lüdinghauser Geschichte informieren können.