Beim Adventsspaziergang eine untergegangene Burg entdecken oder die Vielfalt der Glockendarstellungen im Stadtbild erkunden – der Heimatverein Lüdinghausen lädt dazu ein, sich auf die Spurensuche durch die Stadt und ihre Geschichte zu begeben, zumal coronabedingt der diesjährige Stadtgeburtstag ausfallen musste.
Als Grundlage verweist er auf die Geschichtshefte Nr. 3-7 der Reihe „Ammonit und Glocke“. Hier werden zum Beispiel die zahlreichen, zum Teil kaum bekannten Glockenabbildungen an öffentlich zugänglichen Orten in Lüdinghausen vorgestellt. In der gleichen Schrift finden sich auch Bilder und Nachrichten von der einst bedeutenden aber untergegangenen Landesburg Patzlar. Dort, wo sich das Gemäuer im Steverbett einst erhoben hatte, stellte der Heimatverein in diesem Sommer eine Erinnerungstafel auf.
Bummelt man durch die heutige Langenbrückenstraße, stellt sich natürlich die Frage nach der namensgebenden Brücke. Und die zur Zeit zu bewundernde festliche Weihnachtsbeleuchtung wäre kaum möglich, wenn nicht, wie in dem entsprechenden Beitrag für Lüdinghausen und Seppenrade beschrieben, der Strom ins Münsterland gekommen wäre. Der „Große Garten“ im Bereich der heutigen Gartenstraße gehörte einmal dem Domkapitel von Münster. Hier wohnten einst Leibeigene, die mit einfachen Handwerksarbeiten mühselig ihr Dasein fristeten.
Das zur Zeit seiner Entstehung noch außerhalb der Stadtgrenzen Lüdinghausens liegende Antoniuskloster, steht wie nachzulesen ist, für fast 125jährige Bildungsarbeit an dieser Stelle. Heute ist vielleicht nicht mehr vorstellbar, welche Kämpfe die Nonnen in der männerdominierten Kaiserzeit ausfechten mussten, um hier die Gründung einer höheren Bildungsanstalt für Mädchen durchzusetzen.
In der heutigen Schulaula finden coronabedingt zurzeit die Ratssitzungen des erst vor kurzem in freier, gleicher und geheimer Wahl neu gewählten kommunalen Gremiums statt. Dass dies noch gar nicht so lange selbstverständlich ist, zeigen mehrere Beiträge in den Geschichtsheften. Da wird anhand der Kommunalwahl von 1904 das damals praktizierte preußische Klassenwahlrecht erläutert. 1918 wurde in der Steverstadt eine Bürgerwehr gegründet, um sich bewaffneter Revolutionshorden zu erwehren. Mit dem Beitrag über Dr. Wilhelm Brockhoff wird an einen wichtigen Politiker der ersten Stunden der Lüdinghauser Nachkriegszeit erinnert.
Nur wer besonders sportlich ist, fährt ohne Motorunterstützung den „Alten Berg“ mit dem Fahrrad hinauf nach Seppenrade. Hier waren in der ersten Hälfte des 19. Jh. besondere Anstrengungen nötig, um eine halbwegs brauchbare Straße zu bauen, die für Pferdewagen gefahrlos passierbar war. Im einst renommierten Gasthaus Kock an der Hauptstraße waren Kriegsgefangene des ersten Weltkrieges untergebracht. Die Stadt Lüdinghausen nutzte seinerzeit für den gleichen Zweck die erst vor einigen Monatent abgerissene Turnhalle an der Tüllinghofer Straße.
Die große Treppe zur Villa Westerholt war einst notwendig, weil das repräsentative Gebäude in das Überschwemmungsgebiet der Stever gebaut worden war und in der nicht weit entfernt stehenden Felizitaskirche finden sich kaum bekannte Steinmetzzeichen, zum Beispiel am südlichen Turmpfeiler …
Die zumeist reich mit Bildern ausgestatteten Hefte 3-7 der Reihe Ammonit und Glöcke sind erhältlich bei Lüdinghausen Marketing in der Borg. Das Lüdinghaus ist in diesem Jahr noch bis zum 17.12. Mo-Fr durchgehend von 10.00-17.00 Uhr geöffnet und startet 2021 voraussichtlich wieder am 11. Januar.
Die Inhaltsverzeichnisse der Ammonit und Glocke-Hefte, die der Heimatverein Lüdinghausen seit 2009 zusammen mit dem Heimatverein Seppenrade herausgibt, sind ab sofort online einsehbar auf Heimatverein-luedinghausen.de in der Sparte Publikationen.
Für das neue Heft 8 liegen bereits die ersten Beiträge vor. Sein Erscheinen ist für 2021 fest geplant.