„Der Tod wird bunter“,

mit diesen Worten von Michael Kertelge lässt sich ein besonderes Treffen der Heimatvereine Lüdinghausen, Senden, Bösensell und  Ottmarsbocholt auf dem städtischen Friedhof Lüdinghausen an Allerheiligen zusammenfassen. Friedhöfe als Orte der Stadtgeschichte zu begehen, wurde von den benachbarten Heimatvereinen bereits seit längerem durchgeführt. Nun lud auch der Vorsitzende des HV Lüdinghausen, Alfred Focke, dazu ein. Ziel war es, sich über die Veränderungen und den Wandel der Bestattungskultur auszutauschen.

„Wir haben eine vielfältige Bestattungskultur in Lüdinghausen und der städtische Friedhof Lüdinghausen lässt sich durchaus als Leuchtturm der Vielfalt in unserer Region bezeichnen“, so Alfred Focke bei der Ansprache der rund 25 Teilnehmenden.

Die Bestattungskultur erlebt in der letzten Zeit einen großen Wandel. Alfred Focke und Michael Kertelge konnten über die Besonderheiten in Lüdinghausen fachkundig Auskunft geben. So wurden im letzten Jahr erstmalig mehr Urnen- als Erdbestattungen in Lüdinghausen durchgeführt. Es ergibt sich für so einen großen Friedhof wie in Lüdinghausen die Herausforderung, freiwerdende Belegstellen neu zu vergeben. Für die Urnenbestattungen werden daher z.B. mehrere, kleinere Flächen in der Friedhofslandschaft eingebaut. Das Bedürfnis von Angehörigen, ihren Verstorbenen mit Kerzen und Blumenschmuck zu gedenken, sieht man allerorts auf dem Friedhof, auch auf den Rasengräbern. Die Möglichkeit zur Baumbestattung wird zunehmend umgesetzt. Relativ neu ist das Angebot zur muslimischen Bestattung. Lange wurden Verstorbene in ihren Herkunftsländern oder in anderen Orten mit muslimischen Grabfeldern beerdigt. Nun haben Angehörige auch hier in Lüdinghausen die Möglichkeit, ihre Seelsorgeaufgaben umzusetzen. Die Gräber sind stets Richtung Mekka ausgerichtet. Theoretisch sind auch indische Bestattungen in Lüdinghausen möglich, wurden aber bisher noch nicht durchgeführt.

Der Heimatverein Lüdinghausen hat es sich zur Aufgabe gemacht, erhaltenswerte Grabstätten auch nach Aufgabe der Angehörigen zu pflegen. So besichtigte man z.B. eine Grabstätte mit „Kellergeschoss“, von denen es nur noch drei oder vier in Lüdinghausen gibt.

Ein besonderer Moment entstand bei dem Besuch der Grabstätte der sogenannten „Schmetterlings- oder Sternenkinder“, dem Erinnerungsort für die Allerkleinsten. Die Künstlerin, Gabriela May, die die Skulptur „Geborgen im Kreis des Lebens“ an der Ruhestätte 2022 gestaltete, war zufällig anwesend und berichtete von der großen Bedeutung dieses Ortes für die Eltern und Angehörigen.

Zum Abschluss wurden noch das Kolumbarium und auch die Trauerhalle besichtigt. Alfred Focke wies auf den Denkmalschutz für die Trauerhalle hin und verwies besonders auf das aufwändig gestaltete Fenster. „Friedhöfe als schöne Parkanlagen und Orte der Erinnerung und der Begegnung zu sehen“, dazu lud zusammenfassend Alfred Focke im Namen des Heimatvereins Lüdinghausen ein. Abschließend stellten einige Teilnehmenden der eingeladenen Vereine in der Tradition des Feiertages Allerheiligen eine Kerze am Kriegsdenkmal auf. Bei Kaffee und Kuchen im Café Disselhook tauschten sich alle über die vielfältigen Eindrücke aus und so führte die Auseinandersetzung mit dem Tod ins Leben. In Anbetracht dieses eindrucksvollen Treffens sprach der Vorsitzenden des HV Senden, Karl Schulze Höping, eine Gegeneinladung für den 1.11.2025 aus, der sicherlich wieder viele Interessierte folgen werden.