„Was für ein wunderschöner Platz für diesen Stein“, mit diesen Worten begrüßte Walburga Dabbelt, Vorsitzende des HV Ottmarsbocholt, die rund 150 Gäste beim gemeinsamen Schnadegang. Und tatsächlich ist der Standort für den Schnadstein der Gemeinde Nordkirchen, des Ortsteils Ottmarsbocholt und der Stadt Lüdinghausen besonders gut gewählt, denn von hier aus hat man einen beeindruckenden Blick auf die Umgebung. Der tatsächliche Grenzstein liegt einige hundert Meter vom Meinhövelner Weg entfernt.

Der Begriff „Schnade“ hat seinen Ursprung im Mittelniederdeutschen und bedeutet „Grenze“. In früheren Zeiten wurde es z.B. aus Gründen von Verwitterung oder Versetzung bestehender Grenzsteine  notwendig, die Grenzen erneut kenntlich zu machen. Dazu wurden dann in einem „Schnadegang“ die Grenzen abgegangen, um wieder Ordnung herzustellen. Heute ist das Wort aus dem aktiven Wortschatz vieler verschwunden. Der Heimatverein Nordkirchen hat diese Tradition aber aufleben lassen und weihte heute bereits seinen fünften Schnadestein ein.

Die Idee zur Errichtung des Schnadesteins entstand auf Initiative der Heimatvereine Nordkirchen und Ottmarsbocholt. Der Heimatverein Lüdinghausen nahm die Idee gerne auf und schloss sich den Vorbereitungen an. Die Aktion wurde durch Unterstützung und Vorbereitung vieler aktiver und engagierter Menschen möglich. Die aufgestellte Schutzhütte wurde in Bezug auf Beschaffung und Aufstellen als Gemeinschaftsleistung der Landfrauen Ottmarsbocholt/Venne, der Landjugend und beteiligter Landwirte möglich. Der Stein wurde von Rudi Schürmann aus Capelle gespendet.  Die Firma Marmor Schwarz übernahm die Gravur. Paul und Mechthild Egger erklärten sich bereit, den Platz rund um Schutzhütte und Stein im Auge zu behalten. Der Festakt zur Eröffnung des Schnadestein wurde mit Grillwurst und Getränken auf dem Hof der Familie Kleuter gefeiert.

Der Bürgermeister der Gemeinde Senden, Sebastian Träger, musste in Vorbereitung auf den Festakt zunächst googeln, was hinter der Tradition des Schnadesteins steckt. Er erinnerte in seinen Worten an die kommunale Neugliederung 1975 und der Gründung des Heimatvereins Ottmarsbocholt vor 50 Jahren. Er hofft, dass der Standort des Steins ein Ort der Begegnung wird. Der Bürgermeister der Gemeinde Nordkirchen, Dietmar Bergmann, brachte als Dank für die Idee und Umsetzung ein kleines Geschenk für die Vertreter der Heimatvereine mit und betonte die gute Zusammenarbeit bei diesem Projekt. Anton Holz, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Lüdinghausen lobte die Platzwahl für den Schadstein und brachte die Idee ein, auch für die Grenze zwischen Dülmen, Lüdinghausen und Senden entsprechend aktiv zu werden.

Der Vorsitzende des Heimatvereins Nordkirchen, Hubert Kersting, bat dann die Bürgermeister zur Unterschrift der Urkunde. Diese Urkunde, eine aktuelle Ausgabe der Westfälischen Nachrichten, je ein Flyer der Heimatvereine Nordkirchen und Ottmarsbocholt anlässlich des 50 jährigen Jubliäums und aktuelle Wikipedia-Berichte zu allen drei Orten werden in einer Zeitkapsel in der Nähe des Steins nun vergraben. Hubert Kersting und Walburga Dabbelt übermittelten Grüße des Lüdinghauser Heimatvereinsvorsitzenden Alfred Focke und luden dann zum gemütlichen Beisammensein auf dem Hof Kleuter auf.