Der Heimatverein veranstaltete am Sonntag, 11. August, bei idealen Wetterbedingungen eine Radtour durch Berenbrock zum historischen Hof Farwick.. Ca. 35 Interessierte hatten sich eingefunden, um am Klutensee vorbei, entlang der Bahnstrecke und dem Do-Ems- Kanal über idyllsche Wege zum Ziel zu gelangen. Hier wurden die Gruppe herzlich von Elisabeth und Hubert Farwick in Empfang genommen und mit Kaffee und Kuchen versorgt.
Anschließend berichtete der Hausherr über die Vergangenheit des sehr alten Hofes, der früher den Name Schulze Uphoff trug, was vermutlich auf die etwas erhöhte Lage zurückzuführen ist. Durch Einheirat seines Großvaters Hubert Farwick aus Tüllinghoff im Jahre 1899 erfolgte der Namenswechsel auf Farwick gen. Schulze Uphoff. Anhand von alten Dokumenten nahm er die Zuhörer mit auf eine Zeitreise durch die wechselvolle Geschichte seines Elternhauses. U.a. wurde vor ca. 150 Jahren ein kleines Wasserkraftwerk gebaut, um mechanisch eine Dresch- oder Häckselmaschine anzutreiben. Zu diesem Zweck wurde eigens ein sogenanntes noch heute existierendes Turbinenhaus gebaut, durch das das Wasser aus dem höher gelegenen Teich geleitet werden konnte. Die Anlage bestand bis zur Elektrifizierung des Betriebes im Jahre 1927. Auch die teilweise sehr einfache Unterbringung der Menschen auf dem Hof wurde anschaulich dargestellt. Insbesondere in der Kriegs- und Nachkriegszeit wurden Flüchtlinge und ausgebombte Familien aufgenommen, die in Nebengebäuden unterkommen mussten.
Mit seinem Sohn Dirk, dem jetzigen Betriebsleiter, ging der Gastgeber ausführlich auf die Situation in der Landwirtschaft in der heutigen Zeit ein. Die Familie hat sich auf Schweinezucht spezialisiert. Es ist ein harter Wettbewerb, in den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Schweinebetriebe in Deutschland um ca. 40 % zurückgegangen. Wenige große Lebensmittelkonzerne diktieren die Preise. Die tiergerechte Haltung (Tierwohl) erfordert hohe Investitionen in den Stallbau, die nur zu stemmen sind, wenn langfristig adäquate Erzeugerpreise garantiert sind, was nicht der Normalfall ist. Daneben ist der bürokratische Aufwand (Dokumentation usw. ) kontinuierlich gewachsen. Zusätzlich gesellt sich in der Landwirtschaft mit dem Wetter ein großer Unsicherheitsfaktor dazu, der wesentlichen Einfluss auf die Erträge der Feldfrüchte hat. Trotz aller Widrigkeiten will sich die Familie Farwick den Herausforderungen der Zukunft stellen.
Nachdem sich der Heimatverein bei den Gastgebern mit einem Präsent bedankt hatte, machten sich die Teilnehmer auf den Rückweg. Alle hatten das Gefühl, im Rahmen einer angenehmen Radtour zahlreiche interessante Neuigkeiten aus der Geschichte eines Hofes und der Landwirtschaft heute erfahren zu haben.
Text und Bilder: RSchF, Heimatverein Lüdinghausen e.V., 13.08.2024